Der Aufstieg des nachhaltigen eCommerce

Was das genau ist und wie Du Deinen Onlineshop nachhaltig gestalten und von dem Trend zum Green E-Commerce profitieren kannst.

Nachhaltigkeit ist kein zu vernachlässigender Faktor für Onlineshops. Der wachsende Trend zur Nachhaltigkeit ist eine Antwort auf die zerstörerische Art der Menschheit, die unserem Planeten immer mehr zusetzt. Im E-Commerce reicht der Begriff der Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen bis hin zu Verpackungsprodukten und wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein ist seit Langem ein Trend im E-Commerce. Themen wie Ökologie und Nachhaltigkeit, die einen starken Einfluss auf die Zukunft haben, werden zunehmend von Konsumenten nachgefragt. Deswegen versuchen immer mehr Online-Händler auf diese Bedürfnisse einzugehen und ihren Onlineshop nachhaltig zu gestalten. In diesem Blog erfährst Du, wie Du das erfolgreich umsetzen kannst:

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Der E-Commerce wächst mit rasanter Geschwindigkeit

In China und den USA hat SustainAbility, ein Beratungsunternehmen für Umweltfragen, in seinem Bericht über jährliche Nachhaltigkeitstrends festgestellt, dass das schnelle Wachstum des E-Commerce schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Jedes Jahr landen weltweit mehr als 2 Milliarden Tonnen Abfall auf Deponien. Ein großer Teil dieser riesigen Müllmenge wird durch den Online-Handel verursacht.

Die vielen Kartons und Plastikverpackungen sowie Styropor-Chips müssen irgendwo entsorgt werden und oft landen diese am “großen pazifischen Müllplatz“.

Die schiere Menge des Abfalls und seine Auswirkungen auf die Umwelt haben zu einem Umdenken geführt, wodurch umweltfreundliche Verpackungsalternativen in allen Industriezweigen vorangetrieben wurden.

Der Trend der letzten Jahre hat dazu geführt, dass viele Einzelhändler bereits ökologische Aspekte in der Gestaltung ihrer Produkte berücksichtigen und mit Möbeln sowie Wohnaccessoires aus Holzpaletten, Papier, Karton oder Kork nachhaltig wirtschaften.

Im Hinblick auf die Umweltfreundlichkeit, haben sich bereits eine Vielzahl an Onlineshops mit einem nachhaltigen Geschäftskonzept etabliert. Einige Marken haben begonnen mit gutem Beispiel voranzugehen.

Um Händler dabei zu unterstützen, hat Packhelp eine Initiative gestartet, die es Unternehmen ermöglicht, nachhaltiges und ökologisches Verpackungsmaterial zu beschaffen. Online Shops, die bei Packhelp bestellen, können sich außerdem dazu entscheiden, Bäume zu pflanzen. Die Unterstützung der Wiederaufforstung lässt sich unter anderem an dem Eco-Badge erkennen, das auf den Kartons angebracht wird.

Das Unternehmen TOMS hat sich zum Beispiel zu einer international anerkannten Marke entwickelt, deren Verpackung hauptsächlich aus recyceltem Abfallmaterial (80%) besteht und mit Soja-Tinte bedruckt ist. Teile von TOMS Shoes Kollektion bestehen aus Naturhanf, Bio-Baumwolle und / oder recyceltem Polyester. 

Auch Geschäfte wie memolife.de, mehr-gruen.de und 4betterdays.com setzen sich aktiv für Nachhaltigkeit ein und verkaufen vor allem ökologische und Fair-Trade-Produkte.

Nachhaltigkeit beim Online Shopping: Worauf Konsumentinnen und Konsumenten beim Online Shopping achten

Umweltschonende Versandoptionen

Eine lobenswerte Entwicklung zeichnet sich bei nachhaltigen Versandoptionen ab. Wenn sie die Wahl hätten, würden sich 86% der Deutschen eher für einen umweltfreundlichen Versand entscheiden. Dabei muss man jedoch beachten, dass der Preis für ⅔ der Befragten eine wichtige Rolle spielt. Gäbe es für umweltschonenden Versand Zusatzkosten, dann blieben viele Online-Shopper doch lieber beim Standardversand. “Nur” jeder fünfte Deutsche ist bereit mehr zu zahlen, wenn er damit die Umwelt schonen kann. Der Zuschlag sollte dabei allerdings nicht mehr als 5% betragen. Klimaneutrale Versandlösungen bieten zum Beispiel DHL GoGreen, DPD Total Zero oder GLS ThinkGreen an, mit denen byrd auch zusammenarbeitet.

Auch wenn es wichtig ist, für manche Produktkategorien Express-Lieferungen anzubieten und das für Konsumenten vorteilhaft sein kann, sollte man als Online-Händler betonen, dass es nicht ökologisch ist diese Versandoption zu wählen. Dadurch zeigst Du Deinen Kunden, dass Du auf dieses Thema achtest und stärkst somit zusätzlich Deine Brand.

 

Vermeidung von Verpackungsmüll

Was gehört neben der Verpackung noch zu einem nachhaltigen Versand? Richtig, es sollte kein unnötiger Müll entstehen. Darauf achten mittlerweile nahezu alle deutschen Online-Shopper. Nachhaltige Verpackungen haben sowohl für Marken als auch für Verbraucher eine höhere Priorität – heute mehr denn je. 

Tatsächlich ist die Implementierung von nachhaltigen Verpackungen keine Option mehr – sie ist eine Notwendigkeit.

Viele von uns sind mit den Begriffen “reduzieren, wiederverwenden, recyceln” in unserem Vokabular aufgewachsen. Heutzutage ist es für Dein Unternehmen wichtig, dass Du dieselben Werte widerspiegelst. Nicht nur, um der Umwelt zu helfen, sondern auch, um die Markentreue unter umweltbewussten Verbrauchern zu erhöhen. Dies kann z.B. durch die Verwendung von recyceltem Material erreicht werden.

Die Implementierung nachhaltiger Verpackungen erfordert einiger Recherchen. Du musst herausfinden, welches Verpackungsdesign Deine Marke am besten ergänzen kann. Ein Beispiel hierfür wäre Sheyn, ein in Wien ansässiges Schmuckatelier, das sich auf einfaches, aber elegantes Design spezialisiert hat. Für den Versand verwendet Scheyn einen Öko-Versandkarton, der zu 80% aus recyceltem Material besteht. Dadurch wird das einzigartige Design auf die Verpackung übertragen und der Kunde hat im Gegenzug eine unvergessliche Unboxing-Erfahrung, die auf einer umweltfreundlichen Verpackung basiert. Ein nachhaltiges Verpackungsdesign, bei dem die Wiederverwendbarkeit im Vordergrund steht, kann die Markentreue Deiner Kunden positiv beeinflussen.

 

Ein weiteres Beispiel für stationäre Händler wäre, Deine Verpackung mit Blick auf einen anderen Zweck zu entwerfen.

H&M hat z.B. eine Einkaufstasche, die sich in einen Kleiderbügel verwandelt. Diese Taschen bestehen nicht nur aus weniger Material als die traditionelle Plastiktüte von H&M, sondern das Papier wird auch zu 80% recycelt.

H&M weiß, dass sein Publikum aus Menschen zwischen 18 und 35 Jahren besteht, denen die Umwelt am Herzen liegt und die wiederverwendbare Verpackungslösungen zu schätzen wissen.

 

Umgang mit Zustellungen und Retouren 

Wenn Dein Kunde nicht viel zu Hause ist oder keinen Nachbarn hat, der die Lieferungen bei Abwesenheit annimmt, gehen Bestellungen sehr oft direkt wieder zurück an das Warenlager des Händlers oder des jeweiligen Logistikers. Durch die zahlreichen Retouren werden jede Menge CO2 Emissionen ausgestoßen und damit die Umwelt belastet. Um diesem Problem vorzubeugen, könntest Du zum Beispiel auf Lieferungen an eine Packstation verweisen.

Darüber hinaus solltest Du auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit einzelnen Retouren aufmerksam machen. Um Retouren zu vermeiden, sollten die Angaben in Deinem Onlineshop so deutlich wie möglich sein. Für Fashion-Brands bedeutet das, dass Modefarben in klar verständlichem Deutsch übersetzt und Größenangaben detaillierter eingegrenzt werden sollten: Aus Taupe wird Hellgrau, aus Nude wird Beige oder Hautfarben, der Hinweis „fällt größer aus“ oder „ist eher eng“ wirkt bei Bekleidung Wunder. Bei technischen Produkten, wird es durch die Erklärung von Funktionen sowie eventuellen Besonderheiten für Kunden einschätzbarer.
Nützlicher Nebeneffekt: Durch zusätzliche Informationen bekommen Suchalgorithmen mehr Futter: Die Ergebnislisten werden vielfältiger, die „graue Jacke“ erscheint auch, wenn nach „Blouson in Taupe“ gefahndet wird.

Warum Du eine grüne Marke mit Deinem Online Shop aufbauen solltest

Die Verbraucher freuen sich über nachhaltige, faire und langlebige Produkte und sind auch bereit dafür mehr zu bezahlen. Tatsächlich sind die Nachhaltigkeitsmaßnahmen von Onlineshops für die befragten Verbraucher nach einer Studie des ECC Köln besonders wichtig. Denn auch die Kunden profitieren in solchen Geschäften von zusätzlichem Nutzen. Zum Beispiel beim Kauf von Produkten, die langlebig, wirtschaftlich und gesundheitlich unbedenklich sind.

Letztendlich wirken sich Nachhaltigkeitsmaßnahmen positiv auf die Umwelt aus und durch die aktive Förderung als Online-Händler, kannst Du die Kundenbindung verbessern und sogar neue Kunden gewinnen. 

Begeistere die Millennials und erreiche erfolgreich Deine Zielgruppe

Für Unternehmen stellen Millennials eine besonders attraktive Zielgruppe dar, weil ihre Kaufkraft kontinuierlich steigt. Sie geben jedes Jahr fast 600 Milliarden Dollar aus, eine Zahl, die bis 2020 auf 1,4 Billionen Dollar wachsen soll. Wenn Du diese große Gruppe junger Menschen als Deine Kunden gewinnen möchtest, spielt die Umweltfreundlichkeit Deines Webshops eine wichtige Rolle. Warum? Eine Umfrage ergab, dass für 70% der Millennials, der ökologische Fokus eines Unternehmens ihre Kaufentscheidung maßgeblich beeinflusst.

Deshalb solltest Du als Onlineshop überlegen, Deine Marketingaktivitäten rund um Deine sozialen und ökologischen Werte Deiner Marke aufzubauen.

Laut einer Studie von statista, sind Millennials die Generation mit dem größten Bewusstsein in Bezug auf ihre sozialen Auswirkungen und ihr zukünftiges Leben. Die Tatsache, dass umweltfreundliche Produkte teurer sein können, reduziert nicht ihre Kaufabsichten, da sie diese als langfristige Investition betrachten.

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Wie man nachhaltigen E-Commerce kommuniziert

Tue Gutes und rede darüber. Nach dieser Maxime zu handeln ist nicht verwerflich. Im Gegenteil, denn es hat eine deutliche Signalwirkung nach außen. Neun von zehn Verbrauchern schätzen die ehrliche Kommunikation von Online-Händlern in Bezug auf seine nachhaltigen Angebote (91,2%). Sie gehen aber auch von der Ehrlichkeit des Verkäufers aus und davon, dass dieser keine irreführenden Werbeversprechen macht (90,9%). Dementsprechend sollten Anbieter nachhaltiger Produkte jene ökologischen Aspekte ihres Onlineshops kommunizieren, die sie jederzeit beobachten, überwachen und unter Beweis stellen können.

Bis dato wird das Thema umweltfreundlicher Versand und dessen Relevanz auch von Händlerseite eher verhalten kommuniziert. Viele Shops, die auf klimaneutrale Versandoptionen wie DHL GoGreen setzen, liefern über das jeweilige Logo hinaus keinerlei Hintergrundinformationen.

Hier darf ruhig auch aus Anbietersicht stärker an das Gewissen des Kunden appelliert und über die jeweiligen Versandoptionen und Klimaprojekte informiert werden – beispielsweise im Rahmen von Versand-FAQ oder in einem aufklärenden Newsletter zum Thema grüner Versand.

GoGreen ist eine Initiative von DHL für den CO2-neutralen Transport der Sendungen. Die durch den Transport entstehenden CO2-Emissionen werden nach ISO 14064 ermittelt und anschließend nach den Zielen und Vorgaben des Kyoto-Protokolls durch DHL-eigene Klima-Projekte ausgeglichen.

Auch von GLS gibt es die Umweltinitiative ThinkGreen, die sich mit gezielten Maßnahmen für den umweltfreundlichen Paketversand einsetzt. Ziel ist es, Ressourcen so effizient wie möglich zu nutzen und Prozesse zu optimieren, Abgase zu reduzieren und die Abfallentsorgung zu optimieren.

Das Prinzip dieser Klimaschutzprogramme ist bei allen Dienstleistern ein ähnliches und besteht in der Regel aus einer Mischung aus CO²-reduzierenden und CO²-kompensierenden Maßnahmen. Zu ersteren zählt etwa die Reduzierung des Stromverbrauchs in Paketzentren oder der teilweise Einsatz von elektrobetriebenen und Hybrid-Fahrzeugen. CO²-kompensierende Maßnahmen gleichen die durch den Versand verursachte Menge an Treibhausgasen mit Hilfe von gekauften CO²-Zertifikaten aus, die verschiedene Klimaschutzprojekte (zum Beispiel Wiederaufforstungsprojekte) in aller Welt finanzieren.

Die Frage, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeit sichtbar machen können, lässt sich allerdings nicht nur mit den Themen Kommunikation und Berichterstattung beantworten. Zertifikate und Siegel zeichnen Unternehmen aus, die auf freiwilliger Basis bestimmte, verbindliche Regelwerke einhalten und können somit die Reputation nach innen und außen verbessern. Darüber hinaus helfen die Regelwerke dabei, komplexe Wertschöpfungsketten in globalisierten Märkten transparenter und dadurch verantwortungsvoller zu gestalten.

Im Wesentlichen gibt es zwei Arten von Zertifikaten und Siegeln: Managementsysteme und Produktkennzeichnungen. Managementsysteme regeln die Prozesse der Wertschöpfung und verpflichten zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Hierfür erhalten Unternehmen oder deren Standorte eine Zertifizierung, z.B. das europäische EMAS-System für Umweltmanagement.

Produkte oder Labels signalisieren die Eigenschaften eines bestimmten Produkts oder Angebots und dienen den Kunden als Signal zur Qualitätskontrolle. Dazu gehören beispielsweise das Fairtrade-Label, das EU-Bio-Logo oder der Blaue Engel.

Wie oft hörst Du, dass E-Commerce nicht nachhaltig sein kann?

Nachhaltiges Wirtschaften im E-Commerce zusammengefasst

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Nachhaltigkeit und E-Commerce sehr wohl zusammenpassen und es heute eine gute Gelegenheit für Webshops ist, eine nachhaltige Strategie zu verfolgen.

Die Welt verändert sich, und wir – als Verbraucher oder Händler – müssen uns mit ihr verändern. Wer den Mut hat, den Schritt in die Ära des nachhaltigen Wirtschaftens zu wagen, wird davon sicherlich profitieren.

Der grüne Trend wächst und die Kunden werden immer anspruchsvoller. Sie legen nicht nur großen Wert auf eine umweltfreundliche Lieferung, sondern bestehen auch auf eine nachhaltige Gestaltung fairer und langlebiger Produkte.

Ein grünes E-Commerce Unternehmen zu werden bedeutet nicht unbedingt, dass es Dich langfristig Geld kosten wird. Tatsächlich ist es sogar super für Dein Marketing und hilft Dir, ein positives Image als verantwortungsbewusster Händler zu gewinnen.

Jetzt hast Du die Möglichkeit, dieses Wissen zu nutzen und eine nachhaltige Strategie für Deinen Online Shop umzusetzen. Dies kann geschehen, indem Du Dein Produktsortiment an die wachsenden Bedürfnisse Deiner Kunden anpasst oder neue Produktkategorien hinzufügst, die ökologisch nachhaltig sind. Dies lohnt sich besonders für Ladenbesitzer aus Mode-, Wohn- oder Beauty-Bereichen, da hier eine hohe Kaufbereitschaft für ökologische und nachhaltige Produkte besteht.

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